TinyHouses.Wiki

Alles über das Leben in Minihäusern

Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


minihaus

Minihaus

Der Trend hin zu kleinen Häusern nahm in den USA ihren Anfang. Mittlerweile schwappte die Welle nach Deutschland. Viele Menschen möchten ein autarkes Leben auf kleinem Raum führen. Eine andere Ursache ist, dass es immer mehr Singles gibt, die trotzdem ihr eigenes Heim bewohnen wollen.

Allerdings gibt es in Deutschland ein wichtiges Hindernis: In Deutschland einfach ein Minihaus aufs Feld stellen, sei es mit oder ohne Räder, ist nicht erlaubt.

Welche Möglichkeiten bestehen, um sich in Deutschland ein Minihaus kaufen zu können oder ein Minihaus selber bauen? Wie sieht die aktuelle Rechtslage aus? Wann brauchen Sie eine Baugenehmigung?

Downsizing, als Devise

Die eigenen vier Wände sind ein Traum vieler Menschen. Doch ein Haus zu kaufen und bis zur Rente mühevoll daran zu zahlen, ist eher ein Albtraum. In den USA beträgt die Wohnfläche normaler Häuser um ein vielfaches mehr als in unseren Kreisen. So war in den Neunzigerjahren der Grundstein zum Downsizing-Trend gelegt worden. Mit der Prämisse Reduzieren anstelle des Konsumierens. Der Startschuss fiel für den Minihaus-Trend, welche oft nicht größer sind als ein Wohnwagen.

Es entstand eine selbstauferlegte Regel, nicht mehr als 55 m² zu besitzen, welche autark zu benutzen sind. Gerne wurde ein Minihaus auf Rädern gewählt, sodass der Bewohner nicht an einem Ort gebunden sind. Zusätzlicher Pluspunkt ist, dass sich durch die Räder viele Gesetze umgehen lassen. Juristisch gesehen ist ein Minihaus auf Rädern kein Haus. Aber diese US-Gesetzeslücke kann nicht eins zu eins für Deutschland übernommen werden.

Was ist in Deutschland möglich?

In Deutschland muss das kleinste Gebäude, wenn es zum Wohnen dienen soll, mit einem Bauantrag von der Baubehörde bewilligt werden. Minihaus kaufen und einfach raus in die Natur ziehen, gilt in unserem Land nicht. Es dürfen nur Grundstücke bebaut werden, die technisch (Strom, Gas und Kanalisation) und verkehrsmäßig erschlossen wurden. Bei einer neuen Erschließung müssen Beiträge an die Gemeinde gezahlt werden. Natürlich gibt es bei diesen Regeln kleine Schlupflöcher. Ist eine Kanalisation für den Bürger nicht zumutbar, kann das Gesetz umgangen werden. Der Fall wäre, wenn Komposttoiletten und Grauwasser benutzt werden. Ratsam ist es, nicht von diesen Sonderkonditionen auszugehen. In Deutschland gilt Regenwasser nicht als Trinkwasser, das darf nur zum Wässern der Blumen oder für die Toilette und Waschmaschine genutzt werden. Das einzige Autarke was in Deutschland funktioniert, ist lediglich in der Energieversorgung möglich. Die Solarenergie ist eine Möglichkeit.

Was sind geeignete Grundstücke?

„Ein Minihaus innerhalb der Gemeinde ist einfacher zu realisieren, anstelle von weit draußen auf der grünen Wiese.“ Diese Aussage stammt von Tiny House Consulting, gemäß deutschem Recht. Der Grund dafür ist, dass im Außenbereich ein Bebauungsplan aufgestellt werden muss. Dabei wird der Bund Naturschutz, Wasserwirtschaftsamt und die Landwirtschaftskammer befragt.

Vor dem ersten Schritt

Sie sind im Besitz eines Grundstücks, welches alle Bedingungen erfüllt? Dann folgen die Details. Es ist nicht wichtig, wie groß Ihr Minihaus wird. Jedes Minihaus ist genehmigungspflichtig. Damit wird der Zersiedelung vorgebeugt und die Landschaft wird geschützt. Also ist der nächste Schritt der Bauantrag.

Nette Nachbarn

Nachbarn können Ihnen das Leben schwer machen oder versüßen. So sollten Sie zuerst mit Ihren Nachbarn über Ihre Pläne reden. Denn für eine Bewilligung des Bauantrages ist eine Zustimmung der Nachbarschaft sehr förderlich. Das Bauamt kann unter anderem eine Einwilligung der Nachbarschaft einfordern. Deswegen ist es gut, im Vorfeld die Zustimmung abzuklären. Beauftragen Sie nun einen Schreiner oder Architekten, muss die Genehmigung vorgezeigt werden. Das ist eine Absicherung für Sie und den Handwerker. Sie werfen kein Geld aus dem Fenster, falls dem Bauantrag dann nicht zugestimmt wird.

Ist ein Energieausweis nötig?

Ein Minihaus unter 50 m² muss nicht den Anforderungen der Energiesparverordnung EnEV 2016 entsprechen. Es muss nur die Anlage 3 der EnEV 2014 erfüllt werden. Ein Minihaus hat physikalisch gesehen keine festgelegte Form. Vergleichen Sie Passivhäuser mit einem Minihaus, besteht ein großer Kontrast zu den würfelförmigen zweigeschossigen Häusern. Ein kleines Gebäude braucht zwar wesentlich mehr Energie, doch im Vergleich zu großen Häusern ist es nicht der Rede wert. Ein Plus für die Energiebilanz sind die umweltverträglichen und nachhaltigen Baumaterialien.

Ein Tipp zum Schluss

Ein geeignetes Grundstück zu finden ist schwer. Alle Gesetze zu beachten noch schwerer. Deswegen wird gerne eine andere Möglichkeit in Betracht gezogen: Grundstück-Sharing. Was bedeutet der Ausdruck Grundstück-Sharing. Carsharing ist kein neuer Begriff mehr, den gleichen Hintergrund hat auch das Teilen des Grundstückes. Ein bestehendes Grundstück zu nutzen, dauerhaft oder nur zeitweilig. Sie können dem Besitzer eine Interessengemeinschaft vorschlagen. Als Gegenleistung können Sie zum Beispiel bei der Pflege des Gartens helfen oder andere Arbeiten übernehmen. Zudem sind kleine Gemeinden weit weg, von der Öffentlichkeit. Kleine Dörfer fallen der Abwanderung zum Opfer, vielleicht sind diese Gemeinden eher bereit Ihnen einen Stellplatz zu gewähren. Sie sind Ihrem Traum nun einen großen Schritt näher gekommen.

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Durch die Nutzung dieser Seiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Weitere Information
minihaus.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/21 10:47 von Jakob Berg