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Hausboot

Eine tolle Alternative für Individualisten mit viel Eigenkapital.

Auf einem Hausboot zu leben bedeutet vor allem Freiheit, Ungebundenheit und Nähe zur Natur. So ist wenig verwunderlich, dass viele Menschen von einem Leben auf dem Wasser fasziniert sind.

Allerdings gibt es insbesondere in Deutschland extrem viele Hürden die überwinden werden müssen bevor man dauerhaft auf einem Hausboot leben kann. Zudem muss man sich entscheiden zwischen Freiheit und Komfort.

Entweder man kauft einen festen Liegeplatz mit Stromanschluss, Wasseranschluss etc. und ist dann sehr unflexible, oder man genießt die Freiheit und erkundet die Flüsse Europas, muss dann aber Abstriche was die Wohnqualität angeht, hinnehmen. Aus diesem Grund sind die wenigsten deutschen Hausboot-Besitzer Nomaden. Stattdessen bevorzugen die meisten einen festen Anlegeplatz und den damit verbundenen Komfort. Das Leben auf dem Hausboot mit festem Anlegeplatz ist vergleichbar mit dem Leben in einer Reihenhaussiedlung im Vorort, mit allen damit verbundenden Vor- und Nachteilen.

Allerdings ist das Leben als Hausboot-Nomaden durchaus möglich. Gerade in England gibt es viele Kanalbootbesitzer die permanent unterwegs sind. Ein solches Leben ist vergleichbar mit dem Leben im Wohnmobil. Man ist oft und viel unterwegs und um Frisch- und Abwasser kümmert man sich an Sammelanlegeplätze, was quasi Campingplätze auf dem Wasser sind.1)

Welche Startkosten sind nötig um zu einem dauerhaften Leben auf einem Hausboot überzugehen?

Das größte Problem wenn man das permanente Wohnen auf dem Hausboot plant, ist es einen geeigneten Liegeplatz zu finden. Anders als beim Leben im Wohnmobil auf dem Campingplatz ist die Anzahl schöner Liegeplätze radikal begrenzt. Nicht selten werden Liegeplätze in Wettbewerben oder Verlosungen vergeben, oder wechseln für erstaunlich hohe Geldsummen den Besitzer. Und das obwohl Deutschland voll mit Gewässern, Seen, Flüssen, Hafenbecken ist. Ein wichtiger Punkt ist, dass es nur selten möglich ist ein „Grundstück“ auf dem Wasser zu besitzen, sondern erhält in der Regel nur eine Sondernutzungsgenehmigung. Allerdings hat jede Stadt und Region hier das Recht selbst zu entscheiden wie die eigenen Wasserflächen verwaltet werden. Während beispielsweise Hamburg aktiv die Besiedelung des Wassers vorantreibt, stellt sich Berlin komplett quer und verbietet Baugenehmigungen auf dem Wasser kategorisch.2)

Neben dem Umweltschutz macht häufig auch der Erwerb der angrenzenden Uferfläche die größten Probleme. Will man dauerhaft auf einem Hausboot leben ist es unumgänglich ein Stück Uferfläche zu besitzen, beispielsweise für den Internet und Wasseranschluss. Die Preise hierfür hängen extrem von der Region bzw. Stadt ab.3)

Dazu kommen bürokratische Hürden und hohe Kosten für die Erschließung der Anlegestelle (Abwasser, Stromanschluss, Gasanschluss etc.). Allein hierfür muss man auf Kosten von bis zu 100.000 Euro gefasst sein. Außerdem sollte man nicht vernachlässigen, dass die Mühlen deutscher Behörden oft sehr langsam mahlen. So muss man für die Genehmigung für einen neuen Liegeplatz oftmals von Bearbeitungszeiten von 2 bis 5 Jahren rechnen. Schneller geht es natürlich wenn man einen bestehenden Liegeplatz mietet oder kauft.

Dazu kommen natürlich Kosten für das Hausboot selbst. Komforable Modelle in denen man ganzjährig wohnen kann, kosten mit ca. 500.000 Euro schnell genauso viel wie ein Einfamilienhaus. Allerdings wächst der Markt stetig und mittlerweile gibt es bereits Einsteigermodelle für um die 50.000 Euro. Allerdings verfügen solch günstige Modelle über nur wenig Komfort und wenige Quadratmeter.

Zu beachten ist, dass Banken in der Regel keinen Kredit für Hausboote vergeben, da zu diesen kein Grundstück gehört und somit keine Grundschuld eingetragen werden kann. Das Boot, der Liegeplatz und alle Nebenkosten zur Erschließung des Plates müssen somit durch Eigenkapital finanziert werden.

Zudem gilt es die nicht zu vernachlässigenden Unterhaltskosten mitzukalkulieren. Für Wartung, Versicherung und Reparaturkosten kommen leicht mehrere tausend Euro pro Jahr zusammen. Hat man zudem keinen Liegeplatz gekauft sonder nur gemietet, kommer hierfür Kosten, je nach Lage, von 1000 bis 10.000 Euro zusammen. Je nach Bauart des Bootes muss darüber hinaus noch Kosten für Schwimmfähigkeits-Zertifikate (alle 10 Jahre) oder TÜV hinzu. Werden dabei Mängel festgestellt, kann es häufig vorkommen, dass das Boot zur Reparatur in eine Werft geschleppt oder gefahren werden muss.

Klar ist außerdem, dass durch die permanente Nähe zum Wasser ein Hausboot deutlich schneller altert als ein gewöhnliches Haus. In der Regel muss man alle 2 bis 3 Jahre einmal für Reparaturarbeiten in die Werft. Bei guter Pflege kann ein Hausboot allerdings mehrere Jahrzehnte überdauern.

Worauf sollte man beim Kauf eines Hausboots achten?

Wenn man ganzjährig das Hausboot bewohnen will, ist das wichtigste Kriterium die Isolierung des Boots. Wasser ist ein guter Wärmeleiter, sodass durch das kalte Wasser im Winter schnell jede Wärme aus Booten entweicht. Außerdem ist ein gutes Belüftungskonzept essentiell, da es sonst schnell durch die hohe Luftfeuchtigkeit auf Gewässern, von der Decke tropft.

Will man das Boot häufig zum Reisen benutzen, sollte man zudem darauf achten, dass das Boot über einen ausreichend großen Wassertank (1000+ Liter) verfügt und im Idealfall über eine Möglichkeit Seewasser aufzubereiten. Zudem entscheiden die Kapazitäten des Grauwassertanks (Abwasser) und des Gastanks darüber wie häufig angelegt werden muss. Ideal für ein mobiles Leben auf dem Hausboot ist zudem wenn Solarzellen auf dem Dach des Bootes angebracht sind.

Außerdem sollte unbedingt im Vorraus abgeklärt werden, ob es in der Stadt, in der geplant ist das Boot anzulegen, überhaupt möglich ist, ein Hausboot als Erstwohnsitz anzumelden. In manchen Städten ist dies generell nicht möglich.

Deutsche Anbieter von Hausbooten

  • Stern-Hausboot - Skandinavisch angehauchte Hausboote mit Modellen von 60.000 Euro bis 120.000 Euro.
  • Nautilus - deutscher Hersteller von „Wasservillen“. Tolles Desing mit Preisen zwischen 100.000 Euro bis 700.000 Euro.
  • Floatinghouses - Berliner Firma mit Modellen mit 30-50 Quadratmetern und kosten zwischen 200.000 Euro bis 300.000 Euro. Lobenswert ist, dass nicht nur Informationen über die Boote, sondern auch über mögliche Liegeplätze angeboten werden. Außerdem werden Luxusmodelle („schwimmende Häuse“, „schwimmende Lofts“) für 500.000+ Euro angeboten.
  • Hausboot Dirsch - Individuelle Hausboote aus Holz. Preis ab 250.000 Euro.
  • Wohnschiffe - junger deutscher Anbieter mit mehreren toll designten „Wohnyachten“ (Bullaugen, großzügige Terassen, romantische Kajüten). Größe zwischen 25 und 100 Quadratmetern und preislich von 100.000 Euro bis 300.000 Euro.
  • Haus & Boot Manufaktur - individuelle Anfertigung mit moderner Architektur und Preisen ab 150.000 Euro.

Wo kann man das Wohnen auf dem Wasser ausprobieren?

Bevor man den großen Schritt wagt und viel Geld in ein Hausboot investiert, sollte man unbedingt das Leben auf einem Hausboot für einige Wochen ausprobieren. Um das Leben auf dem Wasser für einen begrenzten Zeitraum auszuprobieren, gibt es viele Möglichkeiten. Beispielsweise:

  • Das Ostseeressort Olpenitz ist eine Ferienhaussiedlung die aus 60 Hausbooten besteht.
  • In Bitterfeld-Wolfen auf dem Großen Goitzschesee gibt es eine Vielzahl von Hausbooten die zur Vermietung zur Verfügung stehen.
  • Der Berliner Hersteller Floatinghouses verkauft nicht nur Hausboote, sondern vermietet sie auch an vielen tollen Standorten.
1)
Ist das Hausboot kürzer als 25 Meter und verfügt über weniger als 15 PS ist übrigens in der Regel kein Bootsführerschein nötig.
2)
Der Grund für das Berliner Vorgehen ist einerseits der Naturschutz und andererseits, dass weiterhin alle Wasserfläche für alle Bürger zugänglich bleiben sollen.
3)
Deutlich weiter ist man was die Besiedelung von Wasserflächen angeht in europäischen Nachbarländern wie Dänemark oder auch Holland. Dort gibt es großangelegte Pläne wie ganze Siedlungen auf dem Wasser entstehen sollen. Beispielsweise plant man in Kopenhagen das Hafenbecken für Studenten bewohnbar zu machen, oder in Amsterdamm soll mit IJburg eine ganze Stadt auf dem Wasser entstehen.
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hausboot.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/21 10:47 von Jakob Berg